Positionen

Die Erste Position

Nimmt man eine Diatonischen Mundharmonika in C, so ist die Tonart in der ersten Postion ebenfalls C-Du. Im Quintenzirkel findet sich das C "ganz oben in der Mitte".



Alle geblasenen Töne, die in dieser Position auf der Mundharmonika ohne Bending gespielt werden, passen uneingeschränkt zu dieser Tonart und bilden unmittelbar einen C-Dur Akkord der auch Tonika gennant wird. Daher klingt die Mundharmonika - auch von einem absoluten Anfänger gespielt - immer harmonisch.

Tabelle 1: Tontabelle Standard Richter C

Blasen C1 E1 G1 C2 E2 G2 C3 E3 G3 C4
Kanal 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
Ziehen D1 G1 B1 D2 F2 A2 B2 D3 F3 A3


Die in der Tabelle 1 rot markierten Töne bilden die normale C-Durtonleiter, die der ersten Position sehr einfach gespielt werden kann.

Wenn man nun den Ziehakkord spielt, erhält man den  zur C-Tonika gehörigen Dominant-Akkord G-Dur. 

Bei einfacher volkstümlicher Musik ist der erste Akkord der Akkordfolge immer die Tonika und der letzte meistens die Dominante. Da diese wieder zur Tonika strebt, „rollt“ die Akkordsequenz, wie von einem inneren Drang getrieben, immer weiter. Dieser Effekt wirkt sehr stark und solche Lieder werden meist als besonders mitreißend empfunden und eignet sich auch für die Marschmusik.

Die erste Position ist daher prädestiniert für Volkslieder, obwohl man auch Blues spielen kann.
Dies erschließt sich aber erst, wenn man die sogenannten 'Blue Notes' spielen kann, die in dieser Position besonders schwer erreichbar sind.

Blue Notes gehören zum Blues wie das Salz in die Suppe. Es handelt sich um die Töne der 3ten, 5ten und 7ten Stufe der Durtonleiter. Sie werden gefühlsmäßig intoniert und je nach Interpret etwas tiefer als normal gespielt (bis zu einem Halbton). Sie sind in der ersten Position nur durch die besonders schwierigen Overblows erreichbar.
Gerade Einsteiger spielen die Harp instinktiv in der ersten Position, aber nichts klingt nach Blues - hier haben wir also eine erste Hürde zu überwinden - der Blues funktioniert nämlich viel besser in der 2. Position.

 

Zweite Position oder Cross-Harp

bezeichnet die Tonart, die im Quintenzirkel der ersten Tonart folgt, und zwar um eine Quinte erhöht.
Nimmt man eine Diatonische Mundharmonika in C, so ist die Tonart der zweiten Postion G-Dur.


Alle gezogenen Töne, die in dieser Position auf der Mundharmonika ohne Bending gespielt werden passen uneingeschränkt in diese Tonart und bilden unmittelbar einen G-Dur Akkord, der dieses mal nicht als Dominante erklingt, sondern als neue Tonika. In 1-6 ziehen erklingt dabei ein Septakkord, in unserem Beispiel auf der Richter Blues Harmonica in C is dies ein ein G 7/9-Akkord.

Der in der Tabelle 2 violett markierte Ton zeigt den neuen Grundton das G, darüber bildet sich ab Kanal 2 G 7/9 Akkord (in rot).

Tabelle 2
: Standard Richter C in 2ter Postion G

Blasen C1 E1 G1 C2 E2 G2 C3 E3 G3 C4
Kanal 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
Ziehen D1 G1 B1 D2 F2 A2 B2 D3 F3 A3


Eine Bluestonleiter in G sieht folgendermaßen aus:

Tabelle 3:

Bluesskala in G
G Bb C C#/Db D F G


Auffallend ist, dass  sich in G fast alle Töne der Bluesskala auf der Mundharmonika wiederfinden, zum Teil doppelt und dreifach, der Grundton sogar vierfach. Das ist für den Spieler sehr bequem. Blues auf der Mundharmonika wird daher zum größten Teil in der 2. Position gespielt.

Tabelle 4: Standard Richter C in 2ter Postion, Töne der Bluesskala

Blasen C1 E1 G1 C2 E2 G2 C3 E3 G3 C4
Kanal 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
Ziehen D1 G1 B1 D2 F2 A2 B2 D3 F3 A3


Nurzwei der Blues-Skala Töne fehlen: Das Bb und Db.
Diese Töne sind nur über >Bending, also das Erniedrigen eines Naturtones um einen oder mehrere Halbtöne, zu erreichen (diese wichtigen Töne sind in Tabelle 5 grün markiert)

Tabelle 5: Standard Richter C, Bendingtöne in 2ter Position

Blasbends 1 2 3 4 5 6 7 Eb Gb Bb
Blasen C1 E1 G1 C2 E2 G2 C3 E3 G3 C4
Kanal 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
Ziehen D1 G1 B1 D2 F2 A2 B2 D3 F3 A3
Ziehbends Db F Bb Db 5 Ab 7 8 9 10


Mittels der Bending-Technik sind also alle Töne der Blues Skala erreichbar - dies bildet die Grundlage für den Erfolg der Richter-Harmonica in der Blues- und Rockmusik, wo sie immernoch oft zu hören ist und im Falle des Blues sogar eine tragende Rolle spielt.


Akkorde in der 2. Position

Das Akkordkonzept sieht so aus, dass der Blasakkord C der C-Mundharmonika zur Subdominante geworden ist, also gegenüber dem harmonischen Konzept der ersten Position eine ganz andere Musikalische Rolle spielt.
Der Subdomintakkord passt wunderbar zum ersten Akkordwechsel im Blues, der immer durch die Subdominte (IV) gebildet wird (I I I I - IV IV - I...) . Gleichzeitig kommt in diesem Akkord der Grundton der Tonika (I), also das G, gleich drei mal vor. Man kann also als Spieler schon fast nichts mehr falsch machen.
Mit etwas Bluesfeeling ist es deswegen recht einfach, innerhalb kurzer Zeit beachtliche Ergebnisse auf der Blues Harmonica zu erzielen.
 

Dritte Position oder 'Double Cross'

bezeichnet die Tonart, die im Quintenzirkel der zweiten Tonart (hier G) folgt, wieder eine reine Quinte entfernt. Nimmt man eine Diatonische Mundharmonika in C, so ist die Grundtonart der dritten Postion D.



Der in der Tabelle 6 violett markierte Ton zeigt den neuen Grundton D.

Tabelle 6
: Standard Richter C

Blasen C1 E1 G1 C2 E2 G2 C3 E3 G3 C4
Kanal 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
Ziehen D1 G1 B1 D2 F2 A2 B2 D3 F3 A3


Eine Bluestonleiter in D sieht folgendermaßen aus:

Tabelle 7: 

Bluesskala in D
D F G Ab A C D


Den Grundton findet man hier verglichen mit der Zweiten Position nur drei Mal und nur beim Ziehen.
Andere Töne der Bluesskala sind relativ wenig direkt vorhanden.

Tabelle 8: Standard Richter C in 3ter Postion, Töne der Bluesskala in D

Blasen C1 E1 G1 C2 E2 G2 C3 E3 G3 C4
Kanal 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
Ziehen D1 G1 B1 D2 F2 A2 B2 D3 F3 A3

 
Der fehlende Ton Ab ist durch Bending in Kanal 6 zu erreichen (in Tabelle 9 fett grün markiert). Die daneben liegenden Töne F und A bilden zusammen mit dem Grundton D einen D-Moll Akkord. Daher wird die dritte Position in aller Regel für BluesStücke in Moll-Tonarten eingesetzt - hier also in D-Moll. Im mittleren Register sind die meisten Skalentöne vorhanden, im unteren Rgister "fehlen" allerdings die wichtigen Töne F und A. Diese müssen auf der Richter-Harmonica durch Ganztonbendings erzeugt werden (vom G zum F in 2 ziehen und vom B zum A in 3 ziehen), was gerade Anfängern oft große Schwierigkeiten bereitet.

Tabelle 9: Standard Richter C, Bendingtöne in 3ter Position

Blasbends 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
Blasen C1 E1 G1 C2 E2 G2 C3 E3 G3 C4
Kanal 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
Ziehen D1 G1 B1 D2 F2 A2 B2 D3 F3 A3
Ziehbends 1 F A 4 5 Ab 7 8 9 10

 

Das Akkordkonzept:
Da der Grundton, in diesem Beispiel das D, nur beim Ziehen vorkommt, spielt man hauptsächlich Stücke in D-Moll. Dieser Akkord wird in Kanal 4 bis 6 als auch Kanal 8 bis 9 gebildet.
Beim Tonartwechsel auf die vierte Stufe, also den Subdominantakkord (IV) in Moll, in diesem Beispiel ein Dreiklang mit den Tönen G-Bb-D = G-Moll, kann man ähnlich Töne spieln wie in der 2. Position G (unter strenger Vermeidung de Tons B in 3 und 7 ziehen!). Wem es schwer fällt die nötigen Töne F und A in 2 und 3 ziehen zu spielen, kann auf eine Stimmungsvariante der Richter Harmonica zurückgreifen. Diese nennt sich Do it oder Easy 3rd Stimmung und kann im Harp-Configurator bestellt werden - bei dieser Stimmung dsind gegenüber der Richter-Stimmung das F und das A in 2 und 3 ziehen als natürliche Töne vorhanden und müssen daher nicht herunter gebendet und intoniert werden. Dadurch geht die dritte Position extrem flüssig "von der Hand". Auch Liebhaber des Irish Folk, bei dem Stücke oft im Dorischen Modus gespielt werden, werden ihre Freude and er Doit/Easy 3rd-Variante haben!

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